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DIN SPEC 91524: Der erste Compliance-Leitfaden für den Mittelstand

Seit Mai 2025 gibt es erstmals eine DIN-Spezifikation für Compliance-Management-Systeme in kleinen und mittleren Unternehmen. Was sie enthält – und was nicht.

Bücher und Brille auf einem Tisch – der Leitfaden DIN SPEC 91524 für Compliance in KMU

Compliance-Management-Systeme waren lange ein Konzernthema mit Konzernmaßstäben: ISO 37301, IDW PS 980, mehrjährige Einführungsprojekte. Für ein Unternehmen mit 80 Beschäftigten passte davon wenig. Diese Lücke schließt die im Mai 2025 veröffentlichte DIN SPEC 91524, der erste Leitfaden des DIN, der Compliance-Management ausdrücklich für kleine und mittlere Unternehmen beschreibt.

Kern des Dokuments ist ein Compliance-Selbst-Check: Leitfragen entlang typischer Geschäftsprozesse, jeweils mit Erläuterungen und Handlungsempfehlungen. Abgedeckt werden die Risikofelder, die den Mittelstand tatsächlich treffen – vom Arbeitsrecht über Datenschutz und Korruptionsprävention bis zur Lieferkettenhaftung. Die Empfehlungen folgen der klassischen Dreiteilung aus Prävention, Detektion und Reaktion: Risiken vermeiden, Verstöße erkennen, angemessen reagieren.

Einordnung: Leitfaden, keine Zertifizierungsnorm

Wichtig für die Erwartungshaltung: Eine DIN SPEC ist keine vollwertige DIN-Norm und die 91524 keine Zertifizierungsgrundlage. Ihre Anwendung ist freiwillig, ein Audit-Siegel gibt es nicht. Ihr Wert liegt woanders – sie definiert erstmals einen anerkannten, dokumentierten Maßstab dafür, was ein angemessenes Compliance-Management im Mittelstand ausmacht. Das ist rechtlich nicht belanglos: Geschäftsleitungen, die ihre Organisationspflichten erfüllen müssen, können sich an einem veröffentlichten Standard orientieren und dies dokumentieren, statt Angemessenheit im Einzelfall zu improvisieren.

Für die praktische Arbeit ist der Selbst-Check der richtige Einstieg. Er zwingt zu einer strukturierten Bestandsaufnahme – Prozess für Prozess, ohne juristisches Vokabular – und liefert als Ergebnis keine abstrakte Reifegradzahl, sondern konkrete Handlungsfelder. Aus denen wird ein Maßnahmenplan mit Verantwortlichen und Fristen; wer es ernst meint, hängt an jede erledigte Maßnahme eine Wirksamkeitskontrolle.

SPECTOR hat die Systematik der DIN SPEC 91524 als Software umgesetzt: rund 30 Leitfragen in neun Prozessbereichen, automatisch abgeleitete Maßnahmen aus einem Katalog von 33 Einträgen, Score und Verlauf. Wie der Selbstcheck abläuft, zeigt die Seite zum Modul Compliance.